Landwirtschaftsbetrieb Wiechmann
Zwischen Raps und Rudel
Ein junger Betriebsleiter am Saaler Bodden denkt Landwirtschaft neu
Mit der neuen Gesprächsreihe „Atelier Talk“ lade ich als Kuratorin für Kunst, Kultur und Konzerte an der Südlichen Boddenküste dazu ein, Menschen dort zu begegnen, wo ihr Denken und Arbeiten seinen Ursprung hat: vor Ort.
Alle Gespräche finden in unmittelbarer Umgebung der jeweiligen Protagonisten statt – authentisch, nahbar und im direkten Bezug zu ihrer täglichen Wirklichkeit.
Den Auftakt gestaltet ein 32-jähriger landwirtschaftlicher Betriebsleiter vom Saaler Bodden, der mit großer Konsequenz und spürbarer Hingabe einen eigenen Weg in der regionalen Landwirtschaft geht.
Er führt einen Betrieb mit rund 120 Damwildtieren, beliefert die Gastronomie in Barth und Wismar mit Wildfleisch und hat parallel eine eigene Rapsölproduktion aufgebaut. Was ihn dabei antreibt, ist mehr als wirtschaftliches Denken: Es ist die Überzeugung, dass Landwirtschaft als geschlossener Kreislauf funktionieren kann – verantwortungsvoll, ressourcenschonend und tief verbunden mit der Region.
Der Rapskuchen aus der Ölpressung wird zum Futtermittel für das Damwild – ein Detail, das beispielhaft für seine Arbeitsweise steht: nichts bleibt ungenutzt, alles hat seinen Platz im System.
Aufgewachsen am Bodden, geprägt durch einen elterlichen Betrieb, ist seine Arbeit getragen von einem feinen Gespür für Zusammenhänge, für Zeit, für Verantwortung. Seine Entscheidungen folgen keiner schnellen Logik, sondern einer Haltung, die aus Erfahrung gewachsen ist – und täglich neu eingelöst wird.